Kurt Vonnegut:

"...but I felt then as I feel now, that I
would have given my life to save
Dresden for the World's generations to
come. That is how everyone should
feel about every city on Earth."



Freie Presse, 14.02. 2011

"Dresden-Preis" an Daniel Barenboim verliehen
Von Bernd Klempnow

Seit 1992 ist er Generalmusikdirektor der Staatsoper unter den Linden in Berlin.



Foto: dapd

Dresden (dapd). Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim ist mit dem "Dresden-Preis" für den Aufbau des West-Eastern Divan Orchestra geehrt worden. Barenboim habe damit vor allem die Jugend ermuntert, mit Musik für Frieden und Verständigung einzutreten, sagte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker am Sonntag in seiner Laudatio vor rund 1.000 Gästen in der Dresdner Semperoper. Barenboim bedankte sich im Anschluss mit einer Klaviersonate von Franz Schubert (1797 bis 1828). Er betonte zudem bei der Festveranstaltung, dass der Weg zu einer friedlichen Lösung im Nahost-Konflikt nur gelingen könne, wenn eine gute Lösung sowohl für Israelis als auch Palästinenser gefunden werde.


Im West-Eastern Divan Orchestra, an dessen Gründung 1999 auch der verstorbene palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said beteiligt war, musizieren Juden, Christen und Muslime gemeinsam. Sie kommen unter anderem aus Israel und Palästina. Das Orchester spielte unter anderem 2006 in der UN-Generalversammlung bei der Verabschiedung des Generalsekretärs Kofi Annan. Der mit 25.000 Euro dotierte internationale Dresdner Friedenspreis wird seit vergangenem Jahr verliehen. Erster Preisträger war der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow.

Der 1942 in Buenos Aires als Sohn russisch-jüdischer Emigranten geborene Barenboim besitzt vier Pässe, darunter neben einem israelischen auch einen der palästinensischen Autonomiebehörde. 1949 gab er im Alter von erst sieben Jahren sein erstes Konzert als Pianist. Seit 1992 ist er Generalmusikdirektor der Staatsoper unter den Linden in Berlin und wurde in dieser Funktion 2000 zum Chefdirigenten auf Lebenszeit gewählt.

dapd


Dresdner Neueste Nachrichten, 14.02.2011

Macht der Musik gegen die Unvernunft

Daniel Barenboim mit dem Dresden-Preis für Konflikt- und Gewaltprävention geehrt


Seinen Dank für den Dresden-Preis drückte Daniel Barenboim in Musik aus – mit Franz Schuberts c-mMoll-Sonate. Doch ehe sich der argentinisch-israelische Dirigent und Pianist am gestrigen Nachmittag auf der Bühne der Semperoper an den Flügel setzte, sprach er von der menschlichen Gegenkraft in der Politik, in die er alle Hoffnung setzt. Der israelisch-palästinensische Konflikt, sagte er, sei kein politischer oder militärischer, kein Konflikt zwischen zwei Nationen. „Es ist ein menschlicher Konflikt zwischen zwei Völkern, die zutiefst überzeugt sind, das Recht zu haben, auf dem gleichen kleinen Stück Land zu leben.“ Der Weg, dies zu respektieren, führe nur über die Gerechtigkeit. „Daher gibt es keine Lösung, die gut für die eine Seite ist und schlecht für die andere. Eine dauerhafte Lösung ist nur eine Lösung, die für beide gut ist.“

In den vergangenen Wochen sei in Ägypten Unglaubliches geschehen, fuhr er fort. Zum ersten Mal in der Geschichte seien Menschen nicht mit einem politischen Ziel aufgestanden, sondern um gegen Ungerechtigkeit zu protestieren. Dies sollte als Beispiel genommen werden: „Nicht immer zu warten, von intelligenten Menschen geführt zu sein, sondern selber die Initiative zu ergreifen.“ Er wünsche sich, dass alle Völker dies auch so sähen, einschließlich des israelischen. „Mein Wunsch ist, dass alle Völker und Regierungen diese ägyptische Initiative begrüßen als gemeinsamen Schritt nach vorn für ein besseres Leben im Nahen Osten.“

Zuvor hatte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) in seiner Laudatio Barenboim als „mutigen und aufrüttelnden Wegweiser besonders für die jungen Menschen“ gewürdigt. Er habe die Wandlungskraft der Kultur und besonders der Musik erkannt und als den wahren Weg zum Frieden genutzt. Der eindrucksvollste Schritt Barenboims sei die Gründung des West-Eastern Divan Orchestra 1999 gewesen. Ein Orchester, in dem junge Musiker beispielsweise aus Syrien, Ägypten, Libanon und Israel sich zu gemeinsamen Proben und Konzerten treffen. Dort könnten sie, was ihnen vom Schicksal zugemutet werde, Schritt für Schritt in eine Verständigung mit der anderen Seite verwandeln, so Weizsäcker. „Sie erleben in ihrer Jugend die grenzenlose Kraft der gemeinsamen Musik.“ Zu musizieren heiße, aufeinander zu hören, aufeinander zuzugehen. „So kann sich die Nacht der Unvernunft in die Macht der Kultur in unserem Leben verwandeln.“

Auch die Erinnerung an den 13. Februar werde in Dresden immer lebendig bleiben. „Umso mehr wird sie die Kraft der jungen Menschen herausfordern, voranzugehen zum Frieden, dem Beispiel zu folgen, das uns Daniel Barenboim gibt.“

Den Preis des Vereins Friends of Dresden Deutschland für Konflikt- und Gewaltprävention unter jungen Menschen erhielt Barenboim aus den Händen von Henry Landsberger, 1926 als Enkel des letzten Dresdner Oberrabbiners hier geboren. Als Zwölfjähriger musste er vor den Nazis fliehen. „Es ist eine positive Geschichte, wenn ein einst aus seiner Heimatstadt geflohenes jüdisches Kind heute in ebendieser Stadt einem anderen Juden einen Friedenspreis überreichen kann. Und das auch noch dafür, weil dieser andere mit seinem Engagement im Nahen Osten nicht akzeptiert, dass israelische Juden und Palästinenser weiter getrennt leben sollen.“ Zwischen den Fronten zu stehen könne schmerzlich sein. „Aber es kann auch ein Ort sein, von dem aus man versucht, so weit wie möglich die Menschen von allen Seiten zusammenzuführen, bis irgendwann einmal die Fronten gelockert und dann ganz aufgelöst sind.“

Alan Russell, Präsident des englischen Dresden Trust, sagte: „Es kann nichts Schöneres geben, als wenn Engländer und Amerikaner gemeinsam mit den Dresdnern einen Preis verleihen. Das ist ein großer Schritt nach vorn.“

Tomas Gärtner


<-1_____________________________________________________________________3->