









Kurt Vonnegut:
"...but I felt then as I feel now, that I
would have given my life to save
Dresden for the World's generations to
come. That is how everyone should
feel about every city on Earth."
Die
Leere des Krieges
1954,
Blick vom Dresdner Rathausturm
Quelle:Slub/Deutsche
Fotothek,
Foto:Walter Möbius
PRESSEMITTEILUNG
Dresden, 1. Dezember 2011
Friedenspreis für Kriegsfotografen
3. „Dresden-Preis“ an den US-amerikanischen Fotojournalisten James Nachtwey/Wim Wenders hält die Laudatio/Nachtwey-Ausstellung im Militärhistorischen Museum Dresden
Der Fotograf James Nachtwey wird am 11. Februar 2012 in der Semperoper Dresden mit dem 3. Internationalen Friedenspreis „Dresden-Preis“ geehrt. Der New Yorker gilt als der bedeutendste Kriegsfotograf unserer Zeit. Die Laudatio auf den Preisträger hält der Regisseur und Fotograf Wim Wenders. Diese Preisvergabe ist eine in zwei Teilen. Im Anschluss an die Festveranstaltung in der Semperoper wird im Militärhistorischen Museum Dresden eine Ausstellung mit Fotos von James Nachtwey eröffnet.
Der Laudator Wim Wenders: „Bilder vom Krieg sind oft nur andere Waffen in den Händen der Kriegführenden, verharmlosen den Krieg, rechtfertigen den Krieg oder bereiten darauf vor. James Nachtwey ergreift Partei für die machtlosen Opfer und gibt ihnen mit seinen Bildern Waffen in die Hände, mit denen sie sich endlich wehren können. Seine Photos lassen sich von den Machthabern nicht für ihre Zwecke instrumentalisieren.“
Beeindruckt von der aufrüttelnden Wirkung der schockierenden Bilder aus den Vietnam-Krieg Anfang der 70er Jahre beschloss der 1948 im US-Bundesstaat Massachusetts geborene Nachtwey, Kriegsfotograf zu werden, auch wenn er sich selbst eher als Antikriegsfotograf sieht. Seit Anfang der 80er Jahre porträtiert er die Krisen und Kriege dieser Welt. Sein Credo lautet: “Ich war ein Zeuge und diese Bilder sind mein Zeugnis. Die Ereignisse, die ich festgehalten habe, dürfen nicht vergessen und nicht wiederholt werden.“
Wohl nahezu jeder kennt das eine oder andere Foto von ihm, wie jenes des ruandischen jungen Mannes mit den langen Machetennarben quer über das Gesicht. Oder die Fotos von den Toten, die wie weggeworfen auf Tschetscheniens Straßen liegen. Oder dieses verstörende Bild des verhungerten, zum Skelett abgemagerten somalischen Kindes. Oder das Foto des schmutzigen nackten Jungen, der in einem rumänischen Waisenhaus auf einem verrosteten Bettgestell ohne Matratze hockt. Oder jenes danach wohl zehntausendfach abgedruckte Bild des zusammen brechenden Südturmes des World Trade Centers, so nah, dass man noch im Nachhinein um den Fotografen fürchtet.
Nachtwey hat in Nordirland fotografiert, im Sudan, in Ruanda, Somalia, in Tschetschenien, in Bosnien, in Afghanistan, in Südafrika, in Nicaraqua und vielen anderen Ländern mehr. Mehrmals wurde der Fotograf bei seiner Arbeit verwundet, besonders schwer am 10. Dezember 2003 im Irak. Sein Werk ist vielfach ausgestellt und ausgezeichnet worden. So erhielt Nachtwey bisher zweimal den World Press Preis und fünfmal die Robert Capa Medaille. Nachtwey war sechsmal Magazin-Fotograf des Jahres in den USA. Der Dokumentarfilm „War photographer“ von Christian Frei über James Nachtwey war im Jahr 2002 für den Oscar nominiert.
Zur Begründung der Preisvergabe an James Nachtwey sagt Nobelpreisträger Günter Blobel, Präsident der „Friends of Dresden“, New York, und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der „Friends of Dresden Deutschland“: „Gewaltprävention ist besonders effektiv, wenn ein Bild vermittelt wird von dem, was Krieg und Gewalt ist. James Nachtwey ist einer derjenigen, die ungeachtet der Gefahr für sich selbst solche Bilder liefern. Bilder, die man nie wieder vergisst. Und er tut das als Moralist, als einer, der nicht nur hofft, sondern daran glaubt, dass seine Bilder ein Umdenken bewirken können. Ohne die Fotos des versehrten Dresdens wäre die Zerstörung der Stadt lange nicht mehr im Weltgedächtnis präsent als Mahnung vor dem Krieg. Durch die Fotos von James Nachtwey bleiben andere Kriege im Gedächtnis. Susan Sontag schrieb: Kriege, von denen es keine Fotos gibt, werden vergessen. Und genau das dürfen wir nicht, Kriege vergessen, weil wir dann auch die Opfer vergessen.“
Die Ausstellung mit Fotos von James Nachtwey wird die erste Sonderausstellung im neu eröffneten Militärhistorischen Museum sein und voraussichtlich bis Ende Mai 2012 gezeigt werden. Gorch Pieken, wissenschaftlicher Direktor des Militärhistorischen Museums: „Das bedeutende fotografische Werk von James Nachtwey ist ein bedrückendes Dokument der jüngsten Gewaltgeschichte der Menschheit und gleichzeitig ein Appell an die Vernunft und das Mitgefühl im Menschen. Wir freuen uns sehr, in unserem neuen Museum seine Bilder zeigen zu dürfen.“
Die Preisverleihung ist eine Veranstaltung der Organisation Friends of Dresden Deutschland und der Semperoper Dresden. Dr. Ulrike Hessler, Intendantin der Semperoper: „Der Dresden Preis, der bewusst in der Semperoper im Umfeld der traditionsreichen Requiem-Aufführung zum 13. Februar verliehen wird, thematisiert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es geht darum, mit einem der schlimmsten Kapitel der Vergangenheit vor Augen, die Geschichte einer neuen Generation so zu vermitteln, dass der unkontrollierte Ausbruch eines unfassbaren Gewaltpotentials bei allen Beteiligten zukünftig verhindert wird. Dies deckt sich mit dem Konzept des Neuen Militärhistorischen Museums in Dresden und könnte somit symbolisch für den Umgang Dresdens mit seiner Geschichte stehen.“
Das Schicksal Dresdens als Mahnung verstehend, würdigt der von „Friends of Dresden Deutschland“ ausgelobte Preis außergewöhnliche Leistungen herausragender Persönlichkeiten, die vor allem präventiv wirken und Eskalationen verhindern helfen. Zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens einen Friedenspreis mit dem Namen der Stadt zu vergeben, ist auch ein Zeichen gegen die versuchte Vereinnahmung des Datums durch Rechtsradikale.
Der mit 25 000 Euro dotierte Preis wird gestiftet von der Klaus Tschira Stiftung, Heidelberg und der Organisation Friends of Dresden, Deutschland. Erster Preisträger war im Jahr 2010 der Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, dem der Preis für sein Engagement für die atomare Abrüstung in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts verliehen wurde. Im Jahr 2011 wurde Daniel Barenboims beispielhafter Einsatz für einen Dialog im Nahen Osten geehrt.
Die Festveranstaltung zur Preisverleihung findet am 11. Februar 2012 um 11 Uhr in der Semperoper statt. Moderator ist Gerhart Baum, Bundesinnenminister a.D. und als vormaliges Mitglied der Menschenrechtskommission UN-Beobachter bei den kriegerischen Ausseinandersetzungen im Sudan.
Eintrittskarten für die Verleihung des 3. Dresden-Preises sind zum Preis von 5 Euro ab dem 5. Dezember 2011 an der Kasse der Semperoper erhältlich.
Kontakt:
Friends of Dresden Deutschland
Heidrun Hannusch
Tel.: 0351/7967955
Mobil: 0151/12738527
Email: info@friendsofdresden-deutschland.com